Christliches Zeichen für Auferstehung

Bischof Norbert Trelle segnete das erste norddeutsche katholische Kolumbarium in Hannover 

Hildesheim/Hannover (bph) Die Herz-Jesu-Kirche in Hannover-Misburg ist nun das erste katholische Kolumbarium Norddeutschlands. Bischof Norbert Trelle eröffnete das umgebaute Gotteshaus am Samstagabend mit einer feierlichen Vesper und segnete die ersten Urnenkammern.

Sterben darf nach den Worten von Bischof Norbert Trelle für Christen nicht anonym sein. Das neue Kolumbarium gebe jedem Verstorbenen einen Namen und sei daher „ein Ort des hoffnungsvollen Bekenntnisses“, sagte der Bischof in seiner Predigt, nachdem er den neu gestalteten Altarraum und die Urnenkammern in den Seitenschiffen der Kirche gesegnet hatte. Danach beauftragte er eine Gruppe von Ehrenamtlichen mit der Trauerpastoral am Kolumbarium und segnete auch sie. Zu dieser feierlichen Vesper waren mehrere hundert Besucher in das umgebaute Gotteshaus gekommen.

Bernd Galluschke, Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Martin Hannover, zu der das Kolumbarium gehört, erinnerte in seiner Begrüßung an die lange Vorbereitungs- und Planungszeit des Umbaus, die nicht von allen Mitgliedern der Pfarrgemeinde mitgetragen wurde. Zuletzt hatte es auch noch einen Wechsel des Architekten gegeben. Verwirklicht wurde schließlich der „Himmelsleiter“-Entwurf des Planungsbüros Thomas Rauck aus Hannover, der für die Planung und Umsetzung nur zwölf Wochen Zeit hatte. Der Entwurf lehnt sich theologisch an Jakobs Traum von einer Himmelsleiter an, von der das Alte Testament im Buch Genesis berichtet.

Raucks Konzept sieht eine Reihe von „Himmelsleitern“ in den Seitenschiffen der Kirche vor. Dünne Stangen aus Edelstahl tragen kleine Urnenkammern aus Milchglas. Lediglich die Frontscheibe ist aus klarem Glas, durch das man die Urnen einsehen kann. Dort werden Namen und Lebensdaten des Verstorbenen eingraviert. Nachdem die Liegezeit von 20 Jahren abgelaufen ist, kann diese Glasscheibe in einen „Schrein der Erinnerung“ eingefügt werden, der im Mittelschiff der Kirche steht. Zum Gesamtentwurf gehören auch ein Abschiedsraum zur Totenwache, ein Leseraum und ein Medienraum mit einer Memorialdatenbank der Verstorbenen.

Das Mittelschiff bleibt frei für Gottesdienste und Feierlichkeiten. Es erhielt aber einen neuen Eichenfußboden. Ein unaufdringliches Lichtkonzept mit Lichtfackeln in den Seitenschiffen und Kerzenständer aus Eiche vervollständigen das Ensemble.

Das Kolumbarium bietet in der ersten Ausbaustufe Platz für 1.500 Urnen und kann um weitere 1.500 Plätze erweitert werden. Hier kann jeder beigesetzt werden, der zu einer Kirche gehört, die Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“ (ACK) ist, außerdem Nichtchristen, die ein christliches Begräbnis wünschen.

Der Umbau der Herz-Jesu-Kirche hat etwa 490.000 Euro gekostet. Das Nutzungsrecht an einer Urnenkammer beträgt je nach Höhe der Kammer 2.600 beziehungsweise 2.900 Euro für 20 Jahre. Die Anwartschaftsgebühr liegt bei einem Zwanzigstel des Preises pro Jahr. Als Eröffnungsangebot erlässt das Kolumbarium bei den ersten 100 Verträgen zu Lebzeiten die Anwartschaftsgebühr für zehn Jahre.

Auch nach dem Umbau der Herz-Jesu-Kirche zum Kolumbarium sollen dort noch regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden: Geplant ist eine Abendmesse freitags um 18 Uhr und Rosenkranzgebete an jedem zweiten und vierten Dienstag des Monats um 16 Uhr. Darüber hinaus ist das Kolumbarium zu festen Zeiten geöffnet.

Die Idee, Herz Jesu zu einem Kolumbarium umzubauen, ist eine Frucht des „Pilotprojekt Hannover-Ost“, das der damalige Hildesheimer Bischof Dr. Josef Homeyer im Jahre 2002 angestoßen hatte und das 2007 beendet wurde. Ziel dieses Pilotprojektes war, missionarische Wege der Seelsorge in größeren Seelsorge-Räumen zu erproben. Das Projekt wurde durchgeführt in der Pfarrgemeinde St. Martin, in der die Kirchen St. Martin, Maria Frieden, Herz Jesu und inzwischen auch St. Anna zusammen geschlossen sind. Im Rahmen dieses Pilotprojektes wurde auf so genannten „Profilworkshops“ und durch die Gruppe „Profilentwicklung“ in enger Abstimmung mit dem Pastoralrat die Idee entwickelt, die Herz-Jesu-Kirche zu einem Kolumbarium umzugestalten und gleichzeitig auch, einen seelsorglichen Schwerpunkt für Trauerbegleitung auszubauen. Der Pastoralrat der Pfarrgemeinde stimmte diesem Plan am 7. Juli 2008 zu. Diesem Votum schloss sich am 18. November 2008 auch der Dekanatspastoralrat des Regionaldekanates Hannover als Vertretung aller Katholiken Hannovers an. Der Priesterrat des Bistums Hildesheim hat dem Bischof in seiner Sitzung am 21. April 2009 ebenfalls mit großer Mehrheit dazu geraten. Darauf hat Bischof Norbert Trelle das entsprechende Dekret am 30. April 2009 unterzeichnet. Der letzte Gemeindegottesdienst in „Herz Jesu“ fand am 24. Juni 2009 statt.

Das geplante Kolumbarium in der Herz-Jesu-Kirche ist das erste Kolumbarium im Bistum Hildesheim und das erste in Norddeutschland. Solche Begräbniskirchen gibt es bereits unter anderem in Marl, St. Konrad (Diözese Münster) und in Aachen, St. Josef (Diözese Aachen) sowie in der Erfurter Allerheiligenkirche.

Die katholische Kirche empfiehlt zwar nachdrücklich, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen. „Sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Lehre widersprechen“, so heißt es wörtlich im kirchlichen Gesetzbuch von 1983. Das haben die deutschen Bischöfe im Jahre 2005 in ihrer Schrift „Tote begraben und Trauernde trösten – Bestattungskultur im Wandel aus katholischer Sicht“ weiter ausgeführt. Sie weisen darauf hin, dass die katholische Kirche bei Einäscherungen und Urnenbestattungen mitwirkt, auch wenn sie die Erdbestattung bevorzugt. Oft gebe es ehrenwerte familiäre und auch wirtschaftliche Gründe für eine Urnenbestattung, so schrieben die Bischöfe damals.

Das Wort Kolumbarium kommt vom lateinischen Wort „columbarium“ und bedeutet übersetzt „Taubenschlag“. Schon die Römer bestatteten die Urnen ihrer Verstorbenen in übereinander angebrachten Nischen. Im 19. Jahrhundert gab es eine Renaissance dieser Bestattungsform. Seitdem errichteten viele Städte und Gemeinden Kolumbarien auf Friedhöfen. 

Quelle: Bischöfliche Pressestelle, Hildesheim