„Es ist ein Ort für immer“

Umbauarbeiten beendet: Am kommenden Samstag wird das Kolumbarium Hl. Herz Jesu eröffnet

Hannover(tp). „Da möchte ich beerdigt werden“: Dieser Gedanke kam Sylvelin Trzeciok spontan, als sie von den Plänen für ein Kolumbarium in der Kirche Hl. Herz Jesu in Hannover-Misburg erfuhr. Nach einer langen Planungsphase und vielen Diskussionen sind nun die Umbauarbeiten für die erste Urnenbegräbnisstätte in einer norddeutschen Kirche abgeschlossen. Am kommenden Samstag, 20. Februar, wird Bischof Norbert Trelle das Kolumbarium im Rahmen einer Vesper eröffnen und seiner Bestimmung zuführen.

Seit 19 Jahren lebt Sylvelin Trzeciok im Osten von Hannover, nicht weit entfernt von der Kirche St. Martin. Sie habe zuvor ein eher lockeres Verhältnis zur dortigen Pfarrgemeinde gehabt, sagt die Rentnerin. Die Kirche Hl. Herz Jesu lernt sie erst Weihnachten 2007 kennen. „Als ich von der beabsichtigten Schließung erfuhr, war ich erschrocken“, erinnert sie sich. Die Pläne für eine Urnenbegräbnisstätte faszinieren sie jedoch. „Ich habe das Gefühl, in einen behüteten Raum zu kommen. Da hängen Gebete in der Luft“, sagt Trezeciok.

Ihr spontaner Entschluss, sich dort beerdigen zu lassen, ist überraschend – zuvor wollte sie sich auf keinen Fall verbrennen lassen. Eine Urnenbeisetzung auf einem Friedhof sei etwas ganz Schreckliches, betont die 67-Jährige. Dagegen hat die klassische Sargbestattung für sie etwas Behütetes, sie könne sich geborgen, zugedeckt fühlen. Diese Empfindung verbindet sie nun auch mit dem Kolumbarium. Die Urnen der Verstorbenen werden in den Seitenschiffen der Kirche untergebracht. Sie werden ihren Platz dabei in einer Konstruktion aus Metall und Glas finden, die zwischen Fußboden und Decke eingezogen ist. Halbtransparente Glasvitrinen, die die eingeschlossene Urne umrisshaft erkennen lassen, sind dabei an dünnen Stangen befestigt.

Anmeldungen schon zu Lebzeiten möglich

„Es ist ein Ort für immer“, sagt Trzeciok. Beim jetzt umgesetzten Entwurf der Himmelsleiter sei sogar an die „Nachsorge“ gedacht. Der Schrein der Erinnerung im Hauptschiff dient nicht nur für Gedanken und Briefe an die Verstorbenen, sondern kann auch die gläsernen Frontplatten – versehen mit Namen und Geburts- sowie Sterbedatum – nach Ablauf der vereinbarten Liegezeit zum weiteren Gedenken aufnehmen.

Noch ist das Kolumbarium nicht eröffnet, aber die ersten Urnenbeisetzungen sind terminiert. „Es gibt auch schon viele Anfragen für den Erwerb von Nutzungsrechten an den Plätzen zu Lebzeiten“, sagt Johannes Kollenda, der als Geschäftsführer für das von der Pfarrgemeinde St. Martin getragene Projekt tätig ist. Die Preise für einen Urnenplatz dienen ausschließlich dem Erhalt des Kirchengebäudes und zur Deckung der Betriebskosten. Die ersten 100 Vertragsabschlüsse zu Lebzeiten werden mit einem Bonus belohnt, wirbt der Geschäftsführer. Dazu konnte sich Sylvelin Trzeciok bislang noch nicht durchringen. „Erst mal muss es eröffnet werden. Ich will es sehen“, sagt sie.

Diese Gelegenheit wird sie demnächst öfter haben, denn sie engagiert sich in der Trauerpastoral der Gemeinde und hat auch am Konzept für die Begleitung im Kolumbarium mitgewirkt. „Zu den Öffnungszeiten können und wollen wir es nicht allein lassen“, sagt Trzeciok. Angehörige und Freunde von Verstorbenen sollen so immer jemanden finden, der Erfahrungen im Umgang mit Tod und Trauer hat. In den letzten Monaten haben sich interessierte Ehrenamtliche der Gemeinde darum in Kursen mit den Themen auseinandergesetzt und den Umgang mit Trauernden gelernt. „In der Kirche dürfen sie traurig sein. Es ist wichtig, sich das anzuhören, einfach da zu sein“, weiß Trzeciok. 

„Trittsteine“ in der Trauer legen

Für die Begleitung von Trauernden ist der engagierten Frau auch der Gedanke wichtig geworden, sogenannte „Trittsteine, die Halt geben“ zu legen. Ein solcher Trittstein könne beispielsweise eine Beisetzung sein, die einen bleibenden Eindruck, eine Erinnerung hinterlasse. „Es wird auf jeden Fall eine Kerze überreicht, die an der immer brennenden Osterkerze entzündet wird“, sagt Trzeciok. Ihr ist es ebenfalls wichtig, dass das Kolumbarium kein totes Haus, keine „Friedhofskirche“ ist. Jeden Freitag um 18 Uhr wird es dort eine Eucharistiefeier geben, zweimal im Monat zudem ein Rosenkranzgebet (jeden 2. und 4. Dienstag um 16 Uhr) – mindestens: „Wir hoffen darauf, dass mehr möglich wird.“

Die Vesper, mit der das Kolumbarium Hl. Herz Jesu in Hannover (Max-Kuhlemann-Straße 13) eröffnet wird, beginnt am Samstag, 20. Februar, um 17 Uhr. 

Quelle: KIZ Nr. 7 vom 14 Februar 2010