Bestattet in der Kirche

08.01.10, 12:54:29 by dorotheeraeber

Beitrag für LeineHertz 106einhalb:

Anmoderation:
Den Kirchen laufen die Mitglieder davon. Eine Folge: Viele Gotteshäuser müssen schließen und werden dann oft verkauft oder sogar abgerissen. Im hannoverschen Stadtteil Misburg-Süd ist die katholische Gemeinde St. Martin mit der Kirche Heiliges Herz Jesu betroffen. Dorothee Räber berichtet, welchen Ausweg die Gemeinde gefunden hat:

Vor knapp zwei Jahren fiel das Urteil über die Kirche Hl. Herz Jesu in Hannover-Misburg: Zu wenige Besucher! Für solche Kirchen gibt es meist zwei Möglichkeiten, Verkauf oder Abriss. Aber für beides war der Gemeinde St. Martin der mächtige Bau zu schade. Eine andere Lösung sollte her. Johannes Kollenda von der Gemeinde:
"Trotz dieser düsteren Prognose hat es aber einen Hoffnungsschimmer gegeben: Aufgrund des schönen neoromanischen Bauwerks hat die Kirche Heiliges Herz Jesu einen Sonderstatus bekommen. Das heißt, dass, unter der Voraussetzung, dass es ein selbsttragendes Finanzkonzept gibt, die Kirche weiterhin genutzt werden kann."
... und zwar als Kolumbarium. Ein Kolumbarium ist ein Ort für die Beisetzung und Aufbewahrung von Urnen. Anfang 2008 gab es in Deutschland drei Kolumbarien in Kirchen - sie dienten den Planungen für die Kirche Hl. Herz Jesu als Vorbilder. Und nun ist es bald soweit: Im Februar wird das Gotteshaus zum Kolumbarium. Jeder, der sich eine christliche Beisetzung wünscht, kann sich dann dort in einer Urne bestatten lassen. Für Viele ist das eine ungewohnte Vorstellung. Das müsste nicht so sein, meint Johannes Kollenda, heute Geschäftsführer des Projektes Kolumbarium:
"Es hat sie immer gegeben, auch auf städtischen Friedhöfen. Was neu ist bei dem Konzept, ist, dass Urnenbestattungsstellen in Kirchen mit integriert werden. Das waren Möglichkeiten, die vorher nur hohen Amts- und Würdenträgern wie Königen und Päpsten vorbehalten waren."
Auch wenn im Misburger Kolumbarium keine Päpste ruhen werden, wird es dort nach dem Umbau elegant aussehen: helle Farben, Parkettboden, moderne Einrichtung. Und filigrane Hängeregale in den Seitenschiffen. Dort werden in gläsernen Schreinen die Urnen stehen. Für die Gestaltung haben sich die Architekten von einer Bibelgeschichte inspirieren lassen:
"Die Himmelsleiter, die sich nach der Geschichte von Jakob ausrichtet, der in seinem Traum eine Leiter gesehen hat, die sich vom Boden in den Himmel richtet, und auf der die Engel vom Himmel zur Erde und wieder zurück gegangen sind. Und das als erste Verheißung auf ein Zusammensein mit Gott."
Für den Umbau zum Kolumbarium wurde die Kirche Hl. Herz Jesu entwidmet. Trotzdem wird es dort künftig neben den Trauerfeiern noch regelmäßig Abendmessen geben. Und schon bald kann sich jeder Interessierte einen der 1500 Plätze in der neuen Ruhestätte reservieren. Ihre Beiträge und die ihrer Angehörigen sichern den Fortbestand des Projekts. Die Kosten für 20 Jahre Liegezeit liegen bei zweieinhalb bis gut dreitausend Euro.

Abmoderation:
Das Kolumbarium Heiliges Herz Jesu wird am 20. Februar mit einem Gottesdienst von Bischof Trelle eröffnet. 

Bericht anhören: Bestattet in der Kirche

Quelle: Dorothee Räber