Der lange Weg zum Kolumbarium

Am 23.04.2009 ist der Ver­wal­tungs­akt der Um­wid­mung der Herz Jesu Kir­che zu ei­ner Fried­hofs­kir­che, ei­nem Ko­lum­ba­ri­um, durch den Bi­schof ge­sche­hen. Die Vor­be­rei­tun­gen dazu wa­ren lang­wie­rig und um­fang­reich. Schon in der Zeit des Pi­lot­pro­jek­tes vom 2002 bis 2007 wur­de die­se Mög­lich­keit an­ge­dacht. Ziel war, in der durch die ­Zu­sammenlegung der ­Kir­chor­te groß wer­den­den Pfarr­ge­mein­de, dem ein­zel­nen Kir­chort ei­nen ganz be­son­de­ren Schwer­punkt zu ge­ben, dem er sich in er­ster Li­nie wid­met. Da­durch muss sich nicht mehr je­der Kir­chort um al­les küm­mern. Das spart Zeit und Res­sour­cen. Die­se Idee wur­de dann ab 2004, der Zu­sam­men­le­gung der drei Kir­chor­te Ma­ria Frie­den, Herz Jesu und St. Mar­tin zu der Ge­mein­de St. Mar­tin Han­no­ver-Ost, wei­ter ver­folgt. In der Grup­pe für die Pro­fi­lent­wick­lung der Kir­chor­te wur­de die­ser Ge­dan­ke nie bei­sei­te ge­legt. Dann kam die Ka­te­go­ri­sie­rung der Kir­chen im Bi­stum Hil­des­heim im Jahr 2007. Ma­ria Frie­den und Herz Jesu wur­den als C 2 ka­te­go­ri­siert. Das be­deu­te­te, das die­se Kir­chen ir­gend­wann im Zeit­raum von Ja­nu­ar 2009 bis De­zem­ber 2019 pro­fa­niert (ent­hei­ligt; kein sa­kra­ler Raum) und ver­kauft wer­den sol­len. Die Be­grün­dung war, die­se Kir­chen sei­en pa­sto­ral nicht mehr not­wen­dig. ­Ge­mes­sen an der Zahl der Ge­mein­de­mit­glie­der und dem Auf­kom­men der Kir­chen­steu­er hat das Bi­stum zu viele Kir­chen, die auf zu großen Flächen ste­hen. Ein Gut­ach­ten der Hauptab­tei­lung Fi­nan­zen/Im­mo­bi­li­en des Bi­stums er­gab, dass der Bau­zu­stand der Ge­bäu­de am Stand­ort Herz Jesu ei­nen In­stand­hal­tungs­rück­stau von 478.700,- € habe.

Die Grup­pe Pro­fi­lent­wick­lung und der 2006 neu ge­grün­de­te Pa­sto­ral­rat ha­ben die Si­tua­ti­on im Bi­stum ver­folgt und eine Mög­lich­keit ei­ner fi­nan­ziel­len Si­che­rung der Ge­mein­de und den Er­halt der sa­kra­len Räu­me ge­sucht. Als Er­geb­nis wur­de die Kir­che Ma­ria Frie­den der pol­ni­schen Mis­si­on zum Kauf an­ge­bo­ten. Das Pfarr­heim bleibt dem Kir­chort er­hal­ten, die Kir­che bleibt sa­kra­ler Raum. Herz Jesu könn­te zum Ko­lum­ba­ri­um um­ge­baut wer­den und blie­be so­mit wei­ter­hin ein sa­kra­ler Raum.

Der Pa­sto­ral­rat be­schloss im Juli 2008 auf Grund­la­ge der Un­ter­su­chun­gen und Gut­ach­ten zur Im­mo­bi­li­en­si­tua­ti­on und der Pro­fi­lent­wic­kung an den ein­zel­nen Ki­chor­ten der neu­en Pfarr­ge­mein­de St. Mar­tin, den Um­bau zu ei­nem Ko­lum­ba­ri­um zu be­an­tra­gen. Der Bi­schöf­li­che Rat be­stä­tig­te dar­auf­hin dem Bi­schof noch ein­mal sein Vo­tum von 2007; ein An­trag auf die Er­rich­tung ei­nes Ko­lum­ba­ri­um in der Kir­che Hei­li­ges Herz Jesu wird als di­rek­tes Er­geb­nis des Pi­lot­pro­jek­tes von 2002 bis 2007 ge­wer­tet und sol­le statt­ge­ge­ben wer­den. Zur Er­in­ne­rung: "Der Pro­zess des Pi­lot­pro­jek­tes wur­de von 2003 an in den Kon­text der kurz- und mit­tel­fri­sti­gen Struk­tur­pla­nung "Eck­punk­te 2020" hin­ein­ge­stellt. Die­ses Pa­pier sucht an­ge­sichts der dra­ma­ti­schen fi­nan­ziel­len Her­aus­for­de­rung, vor der un­ser Bi­stum steht, nicht nur mit fi­nan­ziel­len Kor­rek­tu­ren zu ant­wor­ten, son­dern gleich­zei­tig eine Pa­sto­ral der Zu­kunft in Grund­li­ni­en zu ent­wer­fen." (Mis­sio­na­ri­sche Seel­sor­ge in grö­ße­ren pa­sto­ra­len Räu­men, 2008 Bi­stum Hil­des­heim, S. 22) Nun wur­de die Ka­te­go­rie C 2 der Hei­li­ges Herz Jesu Kir­che in die Ka­te­go­rie A/S (Son­der­sta­tus) Ko­lum­ba­ri­um um­ge­wan­delt, mit dem Ver­merk: "Ohne Bi­stums­fi­nan­zie­rung, da Nut­zung als Ko­lum­ba­ri­um". Vom Jahr 2010 an wer­den kei­ne Bi­stums­gel­der für Herz Jesu mehr ge­zahlt. Da­mit fehlt der Ge­mein­de jähr­lich 23.000,- €.

Nun hat­ten wir die Wahl: Ko­lum­ba­ri­um oder Pro­fa­nie­rung und Ver­kauf? Da­mit er­hiel­ten wir den Auf­trag des Bi­schofs, alle Pla­nun­gen zum Ko­lum­ba­ri­um wei­ter zu füh­ren.

Bei ei­nem Ar­chi­tek­ten­wett­be­werb im Früh­jahr 2008, den das Bi­stum aus­rich­te­te und auch be­zahl­te, wur­den fünf Vor­schlä­ge prä­sen­tiert. Der Vor­schlag "Wei­zen­feld" war so her­aus­ra­gend, dass er nicht nur auf Platz eins ge­setzt wur­de, son­dern es auch kei­nen zwei­ten Platz gab. Da­für zwei drit­te Plät­ze. Die Pla­nun­gen wur­den nun prä­zi­ser. Im Rah­men die­ser vor­be­rei­ten­den Pla­nun­gen wur­de die Kir­che ver­mes­sen und ihr Fun­da­ment über­prüft. Weil es kei­ne Un­ter­la­gen über die Be­schaf­fen­heit des Fun­da­men­tes gab, wur­den in den Sei­ten­schif­fen Boh­run­gen vor­ge­nom­men.

Das ein solch gra­vie­ren­der Um­bau in ei­nem Kir­chort und an ei­ner Kir­che nicht von al­len be­für­wor­tet wird, ist ver­ständ­lich. Eine In­itia­tiv­grup­pe "Al­ter­na­ti­ve zum Ko­lum­ba­ri­um" wur­de Ende 2007 vom Bi­stum und von Pa­sto­ral­rat er­mu­tigt, eine trag­ba­re Al­ter­na­ti­ve zum Ko­lum­ba­ri­um zu er­ar­bei­ten. Sie hat ein um­fang­rei­ches Kon­zept er­ar­bei­tet, das in ei­ner gro­ßen Ver­an­stal­tung der Ge­mein­de vor­ge­stellt wur­de. Die­ser Vor­schlag wur­de in den un­ter­schied­lich­sten Grup­pen be­spro­chen. Der Pa­sto­ral­rat hat sich da­mit be­fasst, eben­so die Grup­pe der Pro­fi­lent­wick­lung, der De­ka­nats­pa­sto­ral­rat, der Prie­ster­rat und letzt­end­lich der Bi­schof mit sei­nen Kir­chen­recht­lern und Fi­nanz­pla­nern. Alle ka­men zu dem glei­chen Er­geb­nis: Der Vor­schlag ist we­der prak­ti­ka­bel noch fi­nan­zier­bar.

In­zwi­schen kam der Kir­chort St. Anna zu un­se­rer Ge­mein­de St. Mar­tin Han­no­ver-Ost. Als dort Ris­se in den Wän­den der Sa­kri­stei auf­tra­ten, wur­den Be­fürch­tun­gen laut, es kön­ne ihr so er­ge­hen, wie der evan­ge­li­schen Nach­bar­ge­mein­de St. Jo­han­nis, die vor­über­ge­hend ge­schlos­sen wur­de. Müss­te auch St. Anna ge­schlos­sen wer­den, gäbe es kei­ne gro­ße Kir­che mehr in Han­no­ver-Ost. Blie­be Herz Jesu wie bis­her er­hal­ten, könn­te der Kir­chort St. Anna die Kir­che Hei­li­ges Herz Jesu mit nut­zen und St Jo­han­nis kön­ne man an­bie­ten, dort eben­falls Got­tes­dienst zu hal­ten. Die Kir­che St. Anna hat aber kei­ne Ris­se, sie steht noch si­cher und St. Jo­han­nis nutzt be­reits jetzt die Räu­me des Kir­chor­tes St. Anna für sei­ne Chor­pro­ben. Im schlimms­ten al­ler Fäl­le, was wir für St. Jo­han­nis nicht hof­fen, steht St. Anna auch für Got­tes­diens­te der Jo­han­nis­ge­mein­de of­fen. Schon auf Grund der räum­li­chen Nähe zu St. Jo­han­nis ist die­se Kir­che bes­ser ge­eig­net als Herz Jesu.

Herz Jesu wird Ko­lum­ba­ri­um. Trä­ger ist die Ge­mein­de ver­tre­ten durch den Pas­toral­rat. Die­ser hat ei­nen Ko­lum­ba­ri­um­saus­schuss ein­ge­setzt, der als Auf­sichts­rat die Ge­schäfts­füh­rung be­glei­tet. Eine Sat­zung, eine Ko­lum­ba­ri­um­sord­nung und eine Preis­lis­te wird oder ist be­reits vom Aus­schuss er­ar­bei­tet. Die Pla­nung sieht vor, im No­vem­ber das Ko­lum­ba­ri­um in ei­nem fei­er­li­chen Got­tes­dienst im Bei­sein des Bi­schofs zu er­öff­nen. Er hat sein Er­schei­nen be­reits zu­ge­sagt. Got­tes­diens­te wer­den dann wie­der re­gel­mä­ßig Frei­tag abends auf Je­ru­sa­lem im Hei­li­gen Herz Jesu ge­fei­ert. Die­ser sak­ra­le Raum ist er­hal­ten. Der lan­ge Weg vom Pi­lot­pro­jekt im Jahr 2002 bis zum Ko­lum­ba­ri­um 2009 fin­det sein Ziel. Hof­fen wir auf min­des­tens wei­te­re 100 Jah­re Kir­che Hei­li­ges Herz Jesu.

Hel­ge Stelzer

Quelle: Pfarrzeitung, Mai 2009