Gemeinde nimmt Abschied von der Herz-Jesu-Kirche

Rom hat entschieden, dass die Herz-Jesu-Kirche in Misburg-Süd zum Kolumbarium wird - und die Gemeinde nimmt endgültig Abschied von ihrem Gotteshaus.

Eigentlich sollten die Umbauarbeiten in der Herz-Jesu-Kirche zu einer Urnenbegräbnisstätte schon längst begonnen haben. Doch nachdem Organist Gisbert Selke – im Namen der Initiativgruppe „Alternative zum Kolumbarium“ – gegen die Umwidmung der Kirche Beschwerde in Rom eingelegt hatte, ging es nicht voran. Erst Anfang dieser Woche erhielt Pfarrer Bernd Galluschke aus dem Bischofshaus in Hildesheim die Nachricht, dass die Beschwerde vom Vatikan abgelehnt wurde. Nun können die Arbeiten im Gotteshaus beginnen.

Selke hat unterdessen noch keine Auskunft aus Rom erhalten. „Ich bin jetzt vor allem auf die Begründung gespannt“, sagt Selke. „Die Beschwerde ist in das Sommerloch gefallen, deshalb hat die Entscheidung so lange gedauert“, erläutert Pfarrer Galluschke. Eine plangemäße Eröffnung des Kolumbariums, am 2. November durch Bischof Norbert Trelle, ist dadurch in weite Ferne gerückt. Dabei gibt es schon 35 Interessenten für einen Urnenplatz in einer der Bronzestelen des nachempfundenen Weizenfeldes. „Vermutlich wären es noch mehr, wenn das Kolumbarium schon eher bestätigt worden wäre“, meint Galluschke.

Dem Pfarrer kommt jetzt zugute, dass die Vorbereitungen für die zukünftige Begräbnisstätte während der Beschwerdezeit weitergelaufen sind. „Wir haben unter anderem Gespräche mit Bestattern geführt, die sich auf die ungewöhnliche Beisetzungen einstellen müssen“, erklärt Galluschke. Im September werden die ersten zehn Ehrenamtlichen geschult, die den Präsenzdienst während der Öffnungszeiten übernehmen werden. Weitere Helfer werden noch gesucht. Auch für die überflüssig gewordenen Kirchenbänke ist ein neuer Platz in der Seesener Gemeinde Maria Königin gefunden worden. Deren Kirche im Harz wird bis September saniert und die gut erhaltenen Bänke aus Misburg gegen eine kleine Spende gerne genommen.

Dort wurde die Bestätigung zum Bau des Kolumbariums ebenfalls dringend erwartet. Die Bänke wären bis zur Entscheidung in Misburg geblieben, notfalls hätten die Seesener auf die Fertigstellung ihrer Kirche warten müssen. Die Misburger Gemeinde hatte seit der letzten Messe am 24. Juni in Herz-Jesu ebenfalls verunsichert auf eine Nachricht aus Rom gewartet. Einige Gläubige gehen seitdem zum Gottesdienst in die Kirchen St. Martin und St. Anna in Misburgs Norden, wo sie herzlich aufgenommen wurden.

Die Sonntagsmesse in St. Anna ist sogar so überfüllt, dass die Vorabendmesse am Sonnabend um 18 Uhr wieder eingeführt werden musste. Andere hingegen trauern um ihre liebgewonnene Kirche und wollen nun nichts mehr mit dem Zusammenschluss St. Martin Hannover-Ost, zu dem alle Kirchorte gehören, zu tun haben. In der Herz-Jesu-Kirche haben sich unterdessen in der letzten Zeit seltsame Dinge zugetragen. So waren für einige Wochen die weihnachtlichen Krippenfiguren aus dem Gotteshaus verschwunden. Sogar Gerüchte von einem Diebstahl gingen um. „Nun sind sie aber wieder wohlbehalten in der Kirche zurück und bleiben vor Ort erhalten“, sagt Galluschke. Damit dies so bleibt, wurden sogar die Schlösser der Kirche ausgetauscht. „Dies ist ein Beschluss des Pastoralrates, damit keine weiteren Dinge verschwinden“, erklärt der Pfarrer.

Von Anja Kelm

Quelle: www.HAZ.de, 20.08.2009