80 Kirchen werden geschlossen

Für weitere 86 Gotteshäuser kein Geld mehr vom Bistum: Diskussionspapier geht in die Dekanate

Von Matthias Bode

Hildesheim. Das Bistum Hildesheim will in den kommenden Jahren 80 Kirchen schließen. Für weitere 86 Gotteshäuser bekommen die Gemeinden kein Geld mehr von der Diözese. Über die Zukunft von 56 Kirchen wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Das sieht eine Vorlage der Hauptabteilung Pastoral vor. Das Papier wurde im Priesterrat vorgestellt, an diesem Samstag (19. Januar) ist es Thema beim Diözesanrat der Katholiken. Der Entwurf soll im Laufe des Jahres im Bistum diskutiert und am Jahresende unter der Berücksichtigung von Rückmeldungen vom Generalvikar in Kraft gesetzt werden. Ab Januar 2009 soll mit der Profanierung der Kirchen begonnen werden. Zuvor muss über eine Nachnutzung beziehungsweise den Abriss entschieden werden.

Durch die Maßnahme sollen sowohl die laufenden Kosten als auch die Investitionen für diese Kirchen eingespart werden. Bis Redaktionsschluss gab es keine verlässlichen Zahlen, um welche Höhe es sich dabei handelt. Betroffen von den Plänen sind vor allem Gotteshäuser, die in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Fertigteilkirchen gebaut wurden und die heute aufwendig saniert und repariert werden müssten. Auf der Liste der Kirchen, die künftig nicht mehr bezuschusst werden sollen, finden sich aber auch jahrhundertealte Kirchen im Stift Hildesheim und im Eichsfeld. Von den 80 zur Schließung anstehenden Kirchen stehen 13 unter Denkmalschutz, bei den 86 Kirchen, für die es künftig kein Geld mehr aus Hildesheim gibt, sind 50 bauhistorisch, architektonisch oder künstlerisch bedeutsam.

Der Leiter der Hauptabteilung Pastoral, Domkapitular Adolf Pohner, verweist im Gespräch mit der KirchenZeitung darauf, dass die für den Bauunterhalt zur Verfügung stehenden Mittel bei weitem nicht für den Erhalt aller Kirchen ausreichten: „Wir sehen zu, wie unsere Immobilien verfallen“, sagt er. Um auf Dauer möglichst viele Kirchen zu erhalten, müssten notwendigerweise einige geschlossen werden. Es sei eine Prioritätensetzung nach seelsorglichen Schwerpunkten sinnvoll, um nicht durch Investitionen in „geschwächte Standorte“ langfristig den Gesamtbestand zu gefährden. Viele Kirchen seien in den sechziger und siebziger Jahren wegen der ungewissen Entwicklung der Gemeinden von Anfang an mit einer Haltbarkeit von rund 30 Jahren geplant gewesen. Diese sei häufig bereits überschritten, die Gebäude seien vollständig abgeschrieben. Die Maßnahmen seien eine Folge der „Eckpunkte 2020“, die 2002 von Bischof Dr. Josef Homeyer in Kraft gesetzt wurden und die Einsparungen von rund 30 Prozent in nahezu allen Bereichen vorsehen, erläutert Pohner.

Die Einteilung der insgesamt 438 Pfarr- und Filialkirchen des Bistums in verschiedene Kategorien hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. Daran mitgewirkt haben der Generalvikar sowie die Hauptabteilungen Finanzen/Immobilien, Pastoral und Personal/Seelsorge. Dabei wurden neben dem baulichen Zustand der einzelnen Kirchen die demografische Entwicklung, die soziografische Strukturen, die Diasporasituation, aber auch die Gegebenheiten in einem städtischen Ballungsraum berücksichtigt. Die Verantwortlichen haben dabei auch auf Daten und Zahlen des Landes Niedersachsen zur Entwicklung verschiedener Regionen zurückgegriffen.

Priorität bei der Einteilung hätten seelsorgliche Belange gehabt, sagt Pohner. Dazu zählten die Fragen, ob es noch eine aktive Gottesdienstgemeinde gebe und wie groß diese sei, wie weit die nächste Kirche entfernt sei, wie viele Kirchen zur Pfarrgemeinde gehören und wie sich vermutlich die Gemeinde entwickeln werde.

Die Liste der Kirchen wird hier ab 18.1.2008 veröffentlicht. In der kommenden Woche veröffentlicht die KirchenZeitung erste Reaktionen und ein Interview mit Bischof Norbert Trelle zum Thema Kirchenschließungen.

Quelle: www.kiz-online.de, Januar 2008