Von ''Unentbehrlich'' bis ''Abriss''

Hauptabteilung Pastoral unterteilt die 438 Kirchen des Bistums in fünf Kategorien

Hildesheim (kiz). Die Hauptabteilung Pastoral hat die 438 Pfarr- und Filialkirchen des Bistums in fünf verschiedene Kategorien eingeteilt. Zur Kategorie A zählen Kirchen, die für die Seelsorge unentbehrlich sind.

Diese Kirchen werden weiterhin laufend bezuschusst und bauliche Investitionen sind auch über den bloßen Erhaltungsbedarf hinaus möglich. 197 Kirchen fallen in diese Kategorie, 71 davon stehen unter Denkmalschutz oder sind künstlerisch, baugeschichtlich oder architektonisch bedeutsam. Sie erhalten daher zusätzlich ein „D“. 19 Kirchen (davon 10 D) fallen in die Kategorie A-S. Dies sind Gotteshäuser, denen ein Sonderstatus zukommt, wie dies zum Beispiel bei Zentral- oder Wallfahrtskirchen der Fall ist. Ihre Bezuschussung erfolgt wie die der Kategorie A.

In die Kategorie B fallen 56 (7D) Kirchen, deren seelsorglicher Bedarf mittelfristig überprüft werden soll. Für diese Kirchen erhalten die Gemeinden weiterhin Zuschüsse, bauliche Maßnahmen dienen nur der Substanzerhaltung. 86 Kirchen (50D) wurden in die Kategorie C1 eingestuft. Diese Kirchen erscheinen nach Ansicht der Hauptabteilung Pastoral nicht unbedingt notwendig für die seelsorgliche Entwicklung, es besteht jedoch kein Anlass, ihre Profanierung vorzusehen. Für diese Kirchen gibt es weder für den laufenden Unterhalt noch für Reparaturen oder Investitionen Geld vom Bistum. Die Gemeinden müssen die nötigen Mittel selbst dafür aufbringen oder die Kirche schließen oder abreißen.

Zur Kategorie C2 gehören 80 Kirchen (13D), deren Schließung, Umnutzung oder Abriss das Bistum aktiv betreiben will. Für sie soll es ab 2009 keinerlei Mittel mehr vom Bistum geben. Alle jetzt vorgelegten Pläne beziehen sich ausschließlich auf die Kirchen, benachbarte Pfarrheime oder Pfarrhäuser sind davon nicht betroffen. 

Meinung

Es ist nicht nur eine Frage des Geldes

Von Matthias Bode

Es ist rund zwanzig Jahre her, dass der damalige Generalvikar Heinrich Schenk in der KirchenZeitung auf ein Problem aufmerksam machte: „Wir müssen unseren Immobilienbestand reduzieren und auch Kirchen schließen und verkaufen.“ Ein Hildesheimer Anzeigenblatt fragte daraufhin: „Kommt der Dom unter den Hammer?“ Das war etwas reißerisch, aber das Blatt hatte die Brisanz des Themas erkannt.

Innerkirchlich stieß die Ankündigung des Generalvikars hingegen kaum auf Widerhall. Keine aufgeregten Proteste, keine Demonstrationen, nur wenige Leserbriefe. Viele hatten wohl das Gefühl: Der Mann mag Recht haben, aber das liegt doch alles noch in weiter Ferne. Und ob ich dann selbst davon betroffen bin...

Nun hat die Zukunft uns eingeholt. 80 Kirchen sollen geschlossen werden und für weitere 86 will das Bistum künftig keinen blanken Heller mehr ausgeben. Die Sache wird konkret. Und man darf gespannt sein, ob es auch jetzt so ruhig bleibt wie damals. 

Es gibt gute Gründe dafür, sich von der einen oder anderen Kirche zu verabschieden. Viele Gotteshäuser, die in den sechziger und siebziger Jahren gebaut wurden, sind marode und bräuchten mittelfristig eine teure Generalsanierung. Die Heizkosten sind enorm, die Ausstattung ist nicht mehr zeitgemäß. Die Gottesdienstgemeinden sind vielerorts geschrumpft, die Mobilität der Menschen hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen, sodass die meisten Menschen problemlos eine Kirche im Nachbarort erreichen können. Die Mittel zum Erhalt der Kirchen sind trotz steigender Einnahmen begrenzt. Mancher zusammengelegten Gemeinde fällt es schwer, sich als solche zu fühlen, wenn wie vor der Zusammenlegung an drei oder gar vier Standorten Gottesdienst gefeiert wird. Auch dies ist ein Argument für die Umnutzung oder den Abriss von Kirchen.

Es spricht also einiges für die Pläne der bischöflichen Verwaltung. Aber es gibt auch durchaus gewichtige Gegenargumente.

Kirchen haben nicht nur funktionalen Charakter, sondern sie sind auch ein Glaubenszeichen – und dies in einer Gesellschaft, in der das Christentum immer weniger Beachtung findet. Nun hat eine Fertigteilkirche nicht die Strahlkraft des Domes, aber sie wird in dem betreffenden Ort doch wahrgenommen, fällt auf, bietet Gelegenheit zu Gebet und Besinnung. Diese Funktionen kann sie nicht mehr erfüllen, wenn sie künftig als Bücherei oder Ausstellungshalle dient oder der Abrissbirne zum Opfer fällt. Auch das kleinste und bescheidenste Kirchlein bietet für die Menschen eines Ortes ein Stück Heimat. Auch dies ginge verloren.

Die Schließung von 80 Kirchen hat darüber hinaus psychologische Aspekte: Wie wirkt ein solcher Rückzug aus der Fläche auf die Menschen im Bistum, auf die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter? Wer gehört gern zu einer Gemeinschaft, die für sich selbst an vielen Standorten keine Zukunft mehr sieht? Es geht nicht nur um Geld und Funktionalität, sondern auch um das Erscheinungsbild von Kirche.

Bei den jetzt vorgelegten Plänen ist noch etwas anderes zu beachten: Die Schließungsabsichten und der Wegfall von Zuschüssen beziehen sich keinesfalls nur auf Schlichtbauten der Nachkriegszeit. Davon betroffen sind auch Kirchen, die unter Denkmalschutz stehen und zum Teil 200 Jahre oder älter sind. Werden diese Kirchen wirklich geschlossen, bedeutet dies auch einen tiefen kulturellen Einschnitt.

All dies gilt es zu bedenken, wenn nun in den Dekanaten und Gemeinden über die Vorlage diskutiert wird. Es dürften nicht immer einfache Beratungen werden.

Quelle: www.kiz-online.de, Januar 2008